Hormoncocktail im Badezimmer

// Gefährliche Stoffe in der Zahnpasta //

Zahnpasta wird normalerweise nicht geschluckt, dennoch werden ihre nicht immer harmlosen Inhaltsstoffe über die Mundschleimhaut aufgenommen und gelangen so besonders schnell in den Blutkreislauf.

 

Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat rund 400 auf dem österreichischen Markt verfügbare Bodylotions, Zahnpasten und Aftershaves auf das Vorhandensein von hormonell wirksamen Chemikalien untersucht. Mehr als ein Drittel der konventionellen Körperpflegeartikel enthielten laut Herstellerangaben hormonell wirksame Chemikalien. Diese können aufgrund ihrer zufälligen strukturellen Ähnlichkeit mit den körpereigenen Hormonen in hormonell gesteuerte Prozesse eingreifen und diese stören.

 

Die am häufigsten nachgewiesenen hormonell wirksamen Stoffe in Kosmetika waren Chemikalien aus der Gruppe der Parabene. 

 

// Parabene -  sind sie schädlich und gefährlich? // 

Immer wieder hört man von schädlichen Parabenen. Dabei weiß kaum jemand was Parabene überhaupt sind und wie sie die Gesundheit gefährden können.

 

// Was sind Parabene? // 

Parabene sind eine Gruppe von Chemikalien, die als Konservierungsstoff in kosmetischen Produkten und teilweise sogar in Lebensmitteln eingesetzt werden. Da Kosmetik oft aus Wasser besteht und Keime gerne in diesem gedeihen, ist eine Konservierung notwendig.

 

// Warum stehen Parabene in der Kritik? //

Parabene sind der Struktur des weiblichen Sexualhormons Östrogen sehr ähnlich. Da sie über die Haut aufgenommen (dermal absorbiert) werden, wird befürchtet, dass sie den Hormonhaushalt von Menschen durcheinanderbringen können. Versuche an Ratten zeigen, dass diese Befürchtung nicht unbegründet ist. Bei männlichen Ratten senken die Parabene den Testosteronspiegel und führen zu einer Verringerung der gesunden Spermien. Bei weiblichen Ratten wurde ein Anwachsen des Uterus festgestellt.

 

// Gefahr für die Gesundheit? //

Die gesundheitlichen Schäden können nur schwer eingeschätzt werden. Entsprechende Langzeitstudien am Menschen fehlen. Eines scheint jedoch gewiss zu sein:

Parabene lagern sich in unserem Körper an. Eine Studie, mit 2.548 Teilnehmern hat gezeigt, dass Parabene in fast jedem Menschen nachgewiesen werden können. Bei Frauen ist die gemessene Konzentration deutlich höher (da diese mehr Kosmetikprodukte verwenden). Über die Folgen kann man (noch) recht wenig sagen.

  

// Welche Auswirkungen haben hormonelle Inhaltsstoffe auf KonsumentInnen? //

Hormonell wirksame Parabene und chemische UV-Filter lassen sich in Blut, Harn und Körpergewebe der meisten Menschen nachweisen. Die bedeutendste Quelle für diese Schadstoffbelastung sind Kosmetikprodukte.

 

Professor Dr. Andreas Lischka, langjähriger Vorstand der Kinderklinik Glanzing, erläutert: „Hormonelle Schadstoffe werden mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Zusammenhang gebracht, die seit einigen Jahrzehnten in der industrialisierten Welt auf dem Vormarsch sind.

Am besten belegt sind Beeinträchtigungen des Fortpflanzungssystems, Hormon-assoziierte Krebsarten wie Brust-, Prostata- und Hodenkrebs, verfrühte Pubertät bei Mädchen, sowie Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Besonders heikel sind Störungen der hormonell regulierten Entwicklungsprozesse beim heranreifenden Fötus und beim Säugling. Denn während des sogenannten ’entwicklungskritischen Zeitfensters’ vor und kurz nach der Geburt können bereits kleinste Mengen von hormonell wirksamen Chemikalien irreversible Schäden verursachen. Daher sollte uns die Tatsache, dass hormonell wirksame Chemikalien aus Kosmetikprodukten auch im Blut von Neugeborenen und in der Muttermilch nachweisbar sind, nachdenklich machen.“ 

 

Die Weltgesundheitsorganisation hat hormonell wirksame Chemikalien im Frühjahr 2013 als „globale Bedrohung" bezeichnet.